26. August 2010

Von Google und Sommerlochs

Man könnte sich über so vieles aufregen in der Welt. Da gibt es zum Beispiel eine Ölpest, die keinen interessiert, die immer stärkeren nationalkonservativen Tendenzen in Europa, katastrophale Überschwemmungen mit unheimlich geringer Spendenbeteiligung und Anteilnahme oder einen Drogenkrieg bei dem fünfstellige Opferzahlen zu vermelden sind, der aber in den Nachrichten untergeht.

Was aber macht der Deutsche? Regt sich seit Wochen über ein Unternehmen auf, das Straßen abfährt, fotografiert, und diese dann in seinem Kartendienst zusammenhängend zur Verfügung stellt. Also das kann doch keiner, also, das geht doch nicht, also jetzt mal wirklich, das darf doch nicht. Wobei viele wohl nicht ganz verstanden haben, dass es sich dabei nicht um live Bilder handelt; bei Fritz Gmurer aus dem Oberallgäu der sich gerade sein erstes Handy gekauft hat mag man das ja noch verstehen, aber selbst Polizeibeamte scheinen den Sinn und die Funktionsweise von Google Street View nicht ganz verstanden zu haben.

Die ganze Diskussion erinnert mich an die der Netzsperren (die übrigens noch lange nicht vorbei ist) vor einem Jahr. Leute die eigentlich gar nicht wissen wovon sie sprechen, machen einfach mal das Maul auf und reden irgendeinen Stuss daher. Zufällig ist da natürlich ein Mikrofon/Diktiergerät/Ohr in der Nähe, und schon ist wieder eine Meldung im Sommerloch geboren. "Auch Oberbürgermeister von Furzingen will gegen Google vorgehen". Für neugeborene Sommerlochschlagzeilen wünsche ich mir im übrigen öfter verunreinigte Infusionen. Im Sommerloch würde aus diesem Satz auch wieder eine Sommerlochschlagzeile. "Blogger verhöhnt tote Infusions-Babys!"

Zum Glück neigt sich das Sommerloch dem Ende entgegen. Und es kann sich wieder auf die echten Themen konzentriert werden. Wie zum Beispiel die topaktuelle Meldung, dass Miley Zirkus Cyrus wieder Single ist, David Hoffenheim Hasselhoff wieder auf Tour geht, oder, ganz ganz aktuell, dass eine Sängerin die seit Jahren eigentlich nichts mehr macht und nur von ihrer Vergangenheit lebt (unheimliche Parallelen zu Hasselhoff tun sich da auf) zu 2 Jahren Bewährung verurteilt wurde.

Viel Spaß.

2 mal geteufelt:

  1. Wahre, wahre Worte. Bin ich froh, wenn die US-Fernsehsaison wieder anfängt, dann kriege ich so gut wie nichts mehr von diesen deutschen "Streitthemen" mit.

    Würde ich nicht fernab von einer Großstadt leben, ich würde meine Fassade mit Werbung zupflastern, wenn das Streetview-Fahrzeug vorbeituckert.

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